InterData News

Arztpraxis: Probleme beim Wechsel auf VoIP-Telefonanschluss

Die Deutsche Telekom und andere Anbieter werben derzeit mit günstigen Voice-over-IP-Telefonanschlüssen – mit dem Ziel, alle Kunden nach und nach auf die so genannte Next-Generation-Technik umzustellen. In der Arztpraxis kann der Wechsel von einem herkömmlichen ISDN-Anschluss auf VoIP jedoch problematisch sein, da es einige Dienste gibt, die einen vollwertigen ISDN-Anschluss voraussetzen. Zudem gibt es beim Telefonieren über das Internet offenbar große Sicherheitslücken, so dass vertrauliche Gespräche zwischen Arzt und Patient leicht abgefangen und mitgehört werden können.

Die Deutsche Telekom, die rund 20 Millionen Festnetzanschlüsse in Deutschland verwaltet, will bis 2018 alle Telefonanschlüsse auf die IP-Technologie umstellen. Bei einem IP-basierten Anschluss werden alle Verbindungen (Telefonieren, Surfen, Mailen, Faxen, Fernsehen) über das Internet aufgebaut. IP steht für Internet Protocol und ist ein Standard für den Datenverkehr im Internet. Telefongespräche werden also nicht mehr wie bisher über ein leitungsbasiertes Netz geführt, in dem jeder Telefonanschluss über zwei Kupferadern an die Vermittlungsstelle angeschlossen ist, sondern als „IP-Pakete“ transportiert. Man spricht deshalb auch von Internet-Telefonie oder Voice over IP (VoIP).

Störungen beim Faxversand

In Arztpraxen wird die Telefonleitung meist auch rege zum Versenden von Fax-Dokumenten genutzt. Bei einem für Sprachübertragung optimierten VoIP-Anschluss ist diese Anwendung jedoch technisch nicht vorgesehen, so dass es immer wieder zu Störungen kommen kann. Das liegt daran, dass bei der Internet-Telefonie die analoge oder digitale Sprache in kleine Pakete gepackt und unprotokolliert auf den Weg geschickt wird. Auf der Gegenseite werden die erhaltenen Pakete gesammelt, in die richtige Reihenfolge gebracht und wieder dekodiert. Um die Sprache in guter Qualität wiedergeben zu können, ist der Empfänger auf einen kontinuierlichen Datenstrom angewiesen. Kommt ein Paket nicht an, dann fehlen 20 Millisekunden Sprachsignal oder mehr.

Während der Ausfall eines Datenpakets beim Telefonieren keine großen Auswirkungen hat und lediglich ein Knackser hörbar ist, reagieren Faxgeräte sehr empfindlich auf solche kleine Störungen. Sie führen zu einem sofortigen Abbruch der Verbindung. Unvollständig übertragene Dokumente, die etwa ab der Hälfte abgeschnitten sind, sind die Regel. Je länger eine Übertragung dauert, desto größer ist die Chance, dass die Verbindung scheitert.

Störungen bei ISDN-basierten Datendiensten

In vielen Arztpraxen werden regelmäßig Datendienste genutzt, die einen vollwertigen ISDN-Anschluss voraussetzen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Labordatenabruf per ISDN
  • Versand von eArztbriefen von DGN GUSbox zu DGN GUSbox
  • EC-Cash-Kartenterminal, das über ISDN funktioniert
  • Alarmanlage, die per ISDN die Polizei oder den Praxisinhaber informiert

Durch den Wechsel von ISDN auf VoIP kann es dazu kommen, dass diese Dienste massiv gestört werden. Daher ist es wichtig, im Vorfeld zu prüfen, welche Dienste in der Praxis verwendet werden und ob es VoIP-geeignete Alternativen gibt. „Einige Arztpraxen, die über die DGN GUSbox ihre Faxkommunikation abwickeln oder D2D-Anwendungen nutzen, haben seit dem Umstieg auf VoIP große Probleme“, berichtet DGN-Geschäftsführer Armin Flender. „Leider haben wir als Anbieter der DGN GUSbox keinerlei Einfluss auf die Verbindungsqualität der VoIP-Anschlüsse unserer Kunden und können somit einen reibungslosen Betrieb nicht garantieren.“

Vorsicht bei vertraulichen Telefongesprächen

Häufig werden Untersuchungsergebnisse und Laborbefunde dem Patienten telefonisch mitgeteilt. Dabei sollte sich der Arzt bewusst sein, dass mit VoIP die Gesprächsdaten nicht mehr wie früher über Kabel von Punkt zu Punkt, sondern über das Internet übertragen werden. Nicht zuletzt der NSA-Skandal hat gezeigt, in welchem Ausmaß das Internet bereits abgehört wird. Um zu verhindern, dass vertrauliche Telefongespräche belauscht werden, fordert Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein, eine grundlegende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Gesprächsinhalte.

Weitere Informationen

Informationsbroschüre der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit: „Datenschutz bei der Internet-Telefonie: Moderne Technik mit Risiken“

Autor: Katja Chalupka / Datum: 04.02.2015